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Die Arbeitnehmenden in der Schweiz sind sehr unterschiedlich von der Corona-Krise getroffen worden. Das zeigt die Corona-Spezialbefragung des «Barometer Gute Arbeit».
Der Lockdown hat die Situation fuÌr die Arbeitnehmenden auf sehr unterschiedliche Art und Weise verĂ€ndert â das zeigen die Ergebnisse der Corona-Spezialbefragung im Rahmen des «Barometer Gute Arbeit».Â
Die Arbeitsbelastung hat sich in den Branchen sehr unterschiedlich entwickelt: Im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, dem Detailhandel und der öffentlichen Verwaltung berichtet ein grosser Teil der Arbeitnehmenden uÌber eine grössere Arbeitsbelastung. FuÌr Familienhaushalte wiederum war das angeordnete Homeoffice in Kombination mit Kinderbetreuung und Homeschooling aufgrund der Schliessung von Schulen und Betreuungsmöglichkeiten die Quelle der eigentlichen Ăberlastung. Knapp die HĂ€lfte der Arbeitnehmenden - Frauen deutlich ausgeprĂ€gter als MĂ€nner - war wĂ€hrend des Lockdown mit erhöhten Betreuungspflichten konfrontiert.
Trotz ausserordentlicher Lage und erhöhten Betreuungspflichten konnten sich die Arbeitnehmenden nur teilweise auf ihre Arbeitgeber verlassen. Nur rund jedem Vierten ist der Arbeitgeber mit einer Entlastung entgegengekommen. Auch die staatlichen Massnahmen haben die Situation fuÌr Familienhaushalte kaum verbessert. Zwar wurde eine spezifische Corona-EO ins Leben gerufen, sie wurde allerdings so ausgestaltet, dass lediglich 4.3% der Betroffenen in den Genuss eines Erwerbsersatzes kamen. Besonders wenig Entgegenkommen gab es in den Dienstleistungs-Branchen, in der Informations- und Kommunikationsbranche, im Gastgewerbe, im Bildungs- und Gesundheitswesen und im Detailhandel. Etwas besser sieht es beim finanziellen Entgegenkommen aus. WĂ€hrend der Coronakrise wurde das Instrument der Kurzarbeit in einem nie dagewesenen Ausmass eingesetzt, um vorschnelle Entlassungen zu verhindern und ArbeitsplĂ€tze zu sichern â ein sprunghaftes Ansteigen der Arbeitslosenzahlen konnte so bisher verhindert werden. Die Corona-Spezialbefragung des «Barometer Gute Arbeit» zeigt, dass rund die HĂ€lfte der Arbeitgeber den Arbeitnehmenden in Kurzarbeit weiterhin den vollen Lohn ausbezahlt hat. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass beinahe die HĂ€lfte der Arbeitnehmenden in Kurzarbeit mit einer LohnkuÌrzung konfrontiert war: Sie haben von ihren Arbeitgebern kein finanzielles Entgegenkommen erhalten und verfuÌgten damit nur noch uÌber 80 Prozent ihres bisherigen Lohns.
WĂ€hrend des Lockdown hat rund die HĂ€lfte der Arbeitnehmenden im Homeoffice gearbeitet â davon je eine HĂ€lfte teilweise und eine HĂ€lfte vollstĂ€ndig. Der Wegfall des Arbeitsweges, der Schutz vor einer Corona-Infektion, mehr Selbstbestimmung bei der Arbeit und mehr Ruhe am Arbeitsplatz werden von den Arbeitnehmenden als positivste Auswirkungen des Homeoffice erlebt. Kritisch werden die fehlenden sozialen Kontakte, eine mangelhafte Ergonomie, die stĂ€ndige Erreichbarkeit und Mehrarbeit sowie zunehmende Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eingeschĂ€tzt. «Nur mit klaren Regeln kann Homeoffice fuÌr beide Seiten eine gewinnbringende Alternative zum PrĂ€senzarbeitsplatz sein», sagt Mitautor des Barometers Gabriel Fischer. Freiwilligkeit und eine klare Begrenzung, keine Kombination mit anderen TĂ€tigkeiten (insbesondere mit Kinderbetreuung), die Sicherstellung des Gesundheitsschutzes, eine EntschĂ€digung an die Arbeitnehmenden und eine faire Aufteilung allfĂ€lliger Einsparungen oder ProduktivitĂ€tsfortschritte sind die zentralen Fragstellungen.
Im Fokus Arbeitsrecht & Pandemie beleuchtet Penso die Rechte und Pflichten von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden wĂ€hrend der Coronakrise. Im Fokus Homeoffice: Aufbruch oder Stresstest? zeigt Penso Chancen und Risiken der Arbeit zuhause.Â
Der «Barometer Gute Arbeit» ist ein Kooperationsprojekt von Travail.Suisse, dem unabhÀngigen Dachverband der Arbeitnehmenden, und der Berner Fachhochschule und bewertet seit 2015 reprÀsentative Ergebnisse zur QualitÀt der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und deren VerÀnderungen. (gg)
Corona-Krise belastet Arbeitsbedingungen und Einkommen