Das Handbuch zum Sozialstaat | Penso
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Das Handbuch zum Sozialstaat

Die Schweizer Sozialwerke sind organisch gewachsen und verändern sich sprunghaft und punktuell. Ein Sachbuch zu Geschichte, Struktur und Finanzierung der Sozialversicherungen schafft einen Überblick. Die Autoren geben auch Tipps, wie der Sozialstaat up to date gehalten werden kann.

30.07.2026
Lesezeit: 1 min

Der Sozialstaat ist ein wunderliches ­Gewächs, mit viel Juristerei und ab und zu einer Prise Politik. Nicht jedes Jahr gibt es revolutionäre Verschiebungen; trotzdem kommt es vor, dass Neuheiten wie der Vaterschaftsurlaub oder die 13. AHV-Rente für bedeutende Änderungen der Spielregeln sorgen. Professor Philippe Gnaegi und sein Team haben in ihrem Sachbuch versucht, Geschichte, Struktur und Finanzierung der Sozialversicherungen kompakt zu beschreiben. Dies ist ihnen gelungen.

Das Buch hat das Zeug zum Standardwerk, da die Autoren im Schlussteil auch ihre Meinung äussern. Dies mag für ein wissenschaftliches Werk ungewohnt sein, dient aber der Praxis und den Studierenden, die sich mit dem Sozialstaat befassen. Es würde sicher auch den Politikern im Bundeshaus guttun, im Buch zu schmökern.

Gnaegi Web Hoch

Geschichte, Struktur und Finanzierung der Sozialversicherungen in der Schweiz

Mit einer Einführung in die Familienpolitik.

Von Philippe Gnaegi, in Zusammenarbeit mit Joëlle Truschner.
Verlag Schulthess, 2025,
ISBN 978-3-7255-9540-2

Umfassende Struktur – ab Adam und Eva bis heute

Autor Philippe Gnaegi hat bei den Sozialversicherungen einen Namen und engagiert sich politisch für die FDP. Der ehemalige Neuenburger Staatsrat war Direktor von Pro Familia Schweiz. Er unterrichtet an den Universitäten Freiburg und Neuenburg im Bereich Sozialversicherung und Familienpolitik. Für seine Studierenden hat Gnaegi in Zusammenarbeit mit Joëlle Truschner ein Handbuch geschrieben, das zuerst auf Französisch erschien und nun in deutscher Übersetzung vorliegt.

Wie schwierig es ist, des Sozialstaats, der sich ständig ändert, in einem Sachbuch Herr zu werden, tönt Gnaegi schon im Vorwort an. Bewusst hat er darum der Familienpolitik viel Raum eingeräumt, wo sich im 21. Jahrhundert doch einiges verändert hat. Mittlerweile gehen 80% der Frauen in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nach, und es ­besuchen mehr Frauen als Männer die Hochschulen. Es mangle aber noch schmerzlich an einer generationenübergreifenden Politik, moniert Gnaegi.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Im Teil A wird die Geschichte aufgerollt seit dem Altertum. Teil B widmet sich der Familienpolitik. Teil C erklärt die Struktur der Sozialversicherungen.
Teil D behandelt die Finanzierung der Sozial­werke.

Das Update, das nötig wäre

Im Teil E kommen die Autoren in erfrischender Kürze zur Sache. Sie gehen davon aus, dass sich die Trends fortsetzen werden. Auch künftige Generationen werden sich mit einer noch älteren Bevölkerung, neuen Formen der Armut und digitaler Kommunikation herumschlagen müssen. Gnaegi und Truschner fordern darum neun konkrete Massnahmen, darunter etwa eine bessere Absicherung für Geringverdiener, indem das private Sparen 3a steuerlich weiter gefördert wird. Im Hinblick auf das Gestrüpp von Sozialwerken plädieren die Autoren schliesslich für eine neue Sozialversicherung, die sich auf die Familie konzentriert und alle verstreuten Elemente des Flickwerks, die schon existieren, unter einem Dach zusammenfasst. 

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