Auch die eingesetzte Fokusgruppe gab im Dezember 2024 die Einschätzung ab, dass die IV-Neurentenquoten in den nächsten fünf Jahren um bis zu 10% steigen werden. Dies sei eine optimistische Einschätzung für den Fall, dass alles unternommen werde, um die Invalidität positiv zu beeinflussen.
GrĂĽnde fĂĽr die Prognose
Um die Prognose besser einordnen und Handlungsempfehlungen ableiten zu können, wurden auch die Hauptgründe für die erwartete Entwicklung erfragt. Im Fragebogen standen sechs Gründe zur Auswahl (konjunkturelle, berufliche/betriebliche, medizinische, juristische, demografische Aspekte und [Wieder-]Eingliederung), wobei auch Mehrfachnennungen und freie Texteingaben möglich waren.
Mehr als 500 Teilnehmer geben in der Umfrage an, dass mehrere Faktoren zu ihrer Einschätzung führen. Jeweils mehr als 50% der Teilnehmenden sehen medizinische und/oder berufliche/betriebliche Aspekte als begründend für ihre Prognose an. Die offenen Rückmeldungen der Umfrage decken ein breites Themenspektrum ab, das sich auf die Herausforderungen der Invalidenversicherung, den Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Entwicklungen bezieht. Die Antworten wurden anhand verschiedener Schwerpunkte strukturiert. Psychische Erkrankungen und Belastungen in verschiedenen Kontexten sind in den Freitextangaben mit Abstand am häufigsten genannt, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Generell spiegeln die Antworten ein komplexes Zusammenspiel von sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Faktoren wider, die sowohl die berufliche Eingliederung als auch die Entscheidungsfaktoren bei Invalidität beeinflussen.
Auch die Fokusgruppe verortet ein multifaktorielles Problem. Es wurde betont, dass die reine Häufigkeit einer Krankheit (Prävalenz) nicht automatisch zu mehr Invalidisierungen führt, sondern dass die Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle spielen. Solange sich diese nicht veränderten, werde die Zahl der IV-Neurenten weiter steigen. Die Rechtsprechung, die Versicherungsbedingungen, die Haltung der Ärzteschaft sowie die Alterung der Gesellschaft, die zu einem Anstieg der Diagnosegruppe «andere Krankheiten» wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führe, wurden als hoch relevant eingestuft. Psychische Erkrankungen hätten in der Gesellschaft nicht in einem Ausmass zugenommen, dass diese allein die starke Zunahme der IV-Neurentenzusprachen der vergangenen sechs Jahre in diesem Bereich erklären könnten.
Handlungsempfehlungen
In der Umfrage wurden keine Handlungsempfehlungen erfragt. Die Teilnehmer der Fokusgruppe waren sich einig, dass die FrĂĽherkennung ein entscheidender Faktor sei, um Invalidität zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Besonders wichtig sei zudem der konsequente Einsatz von Massnahmen durch die IV-Stellen. Es sollen in Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden und Ă„rzteschaft die FrĂĽherkennung, FrĂĽhintervention und Nutzung einer Teilarbeitsfähigkeit stärker gefördert werden, insbesondere durch den gezielten Einsatz des Arbeitsfähigkeitszeugnisses in Verbindung mit einem klar definierten Anforderungsprofil des Arbeitsplatzes. Die Nähe der Vorsorgeeinrichtungen zu den Arbeitgebenden erleichtert die Umsetzung solcher Massnahmen. Auch die Pensionskassen sind gefordert, Âeinen Beitrag zu leisten, um das InvaÂliditätsrisiko positiv zu beeinflussen, Âindem sie die angeschlossenen Unternehmen ermutigen, in Prävention und Wiedereingliederung zu investieren.
Invaliditätsentwicklung gemeinsam positiv beeinflussen