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Wirksame Personalarbeit basiert nicht auf formaler Autorität, sondern auf legitimem Einfluss.
Von Gérald Brandt
Macht gehört zu den grundlegenden Realitäten jeder Organisation. Sie entsteht nicht allein durch formale Hierarchien, sondern auch durch Expertise, Informationszugang, Netzwerke und die Fähigkeit, Entscheidungen zu beeinflussen. Organisationen sind daher nicht nur Systeme rationaler Steuerung, sondern zugleich soziale Arenen, in denen unterschiedliche Interessen, Ressourcen und Einflussmöglichkeiten aufeinandertreffen.
Die Organisationsforschung, insbesondere durch Niklas Luhmann [1], Oswald Neuberger [2] und Stefan Kühl [3], beschreibt Macht als unverzichtbaren Mechanismus zur Bewältigung organisationaler Komplexität. Luhmann versteht Macht als Kommunikationsmedium, das Entscheidungen ermöglicht und Unsicherheit reduziert. Neuberger zeigt, dass Mikropolitik und Einflussnahme zum Alltag jeder Organisation gehören und keineswegs als Fehlentwicklung betrachtet werden dürfen. Kühl ergänzt, dass sich Macht gerade in informellen Strukturen, Netzwerken und Entscheidungsprozessen entfaltet.
Eine ähnliche Perspektive findet sich bei Jeffrey Pfeffer[4]. In seinen Forschungen weist er darauf hin, dass Macht nicht primär eine Frage von Positionen, sondern von Ressourcen und Beziehungen ist. Organisationen werden von Akteuren geprägt, die in der Lage sind, Koalitionen zu bilden, Informationen zu kontrollieren und strategische Entscheidungen zu beeinflussen. Nach Pfeffer ist die Fähigkeit, Einfluss auszuüben, eine zentrale Voraussetzung für Führungserfolg und organisationalen Wandel.
Für das HRM ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen. David Ulrich [5] argumentiert, dass die Personalfunktion nur dann einen strategischen Beitrag leisten kann, wenn sie über administrative Aufgaben hinausgeht und die Organisation aktiv mitgestaltet. HR schafft Einfluss nicht allein durch Richtlinien oder Prozesse, sondern durch die Fähigkeit, Talente zu entwickeln, Führungskräfte zu begleiten, kulturelle Veränderungen zu unterstützen und die langfristige Leistungsfähigkeit der Organisation zu sichern.
Die Verbindung dieser Perspektiven führt zu einer zentralen Erkenntnis: Wirksame Personalarbeit basiert nicht auf formaler Autorität, sondern auf legitimem Einfluss. Die Macht der HR-Funktion entsteht aus ihrer Glaubwürdigkeit, ihrer Expertise und ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Interessen im Sinn der Organisation zu verbinden. In diesem Verständnis wird Macht nicht zum Instrument der Kontrolle, sondern zur Verantwortung, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Vertrauen, Zusammenarbeit und nachhaltige Wertschöpfung ermöglichen.
Die Herausforderung moderner Organisationen besteht nicht darin, Macht zu vermeiden, sondern sie transparent, verantwortungsvoll und im Dienst einer gemeinsamen Zukunft einzusetzen. Wie sieht es in Ihrer Organisation aus?
[1] wikipedia.org
[2] ico-online.de
[3] uni-bielefeld.de
[4] jeffreypfeffer.com
[5] rbl.net
Macht, Einfluss und die strategische Rolle des HRM