Lange Zeit wurde «Ergonomie» vor allem auf Büromöbel oder spezielle Computermäuse, Tastaturen oder Bildschirmblenden reduziert. Aus Sicht der Ergonomin Cécile Baumann-Arnold greift diese Sichtweise zu kurz: «Die äussere Ergonomie umfasst alles, was nicht den Körper betrifft. Die innere Ergonomie hingegen betrifft den Menschen selbst – mit Knochen, Muskeln, Sehnen und seinem gesamten Körperdesign.» Genau hier liege der blinde Fleck vieler ergonomischer Konzepte: Der Mensch werde von aussen optimiert, aber kaum darin geschult, wie er mit seinem eigenen Körper sinnvoll umgehe.
Von der Anpassung an die Maschine zur inneren Ergonomie
Historisch war die Wissenschaft der Ergonomie produktivitätsgetrieben. Der Mensch musste sich an Arbeitsmittel anpassen. Heute stehe zwar offiziell die Gesundheit stärker im Zentrum, doch in der Praxis halte sich oft die Vorstellung, dass ergonomisch designte Möbel automatisch zu gesunden Mitarbeitenden führt. «Viele Arbeitgeber glauben, wenn sie teure Stühle und höhenverstellbare Tische anschaffen, dann wird der Mensch automatisch gesund. Leider ist es nicht so einfach. Der Mensch ist komplexer.» Baumann-Arnold arbeitet seit Jahrzehnten mit dem Körper und bezeichnet sich selbst als «Exotin» innerhalb der Ergonomie. Ihr Schwerpunkt liegt auf der sogenannten «inneren Ergonomie», die sie als bewussten Umgang mit dem Körper im Zusammenspiel mit der Schwerkraft versteht: «Wir leben permanent mit der Schwerkraft, aber wir lernen so gut wie nirgends, wie wir sie zu unserem Vorteil nutzen können. Viele kämpfen täglich gegen sie an, ohne es zu merken.»
Vom Bürostuhl zur inneren Ergonomie