Herr Faeh, Sie haben als HR-Manager Wachstumsphasen in unterschiedlichen Kontexten erlebt. Was ist das Besondere an schnell wachsenden Unternehmen?
Ich habe verschiedene Formen von Entwicklung gesehen. Als ich bei einem Telekommunikationsunternehmen arbeitete, war das Wachstum stetig, vollzog sich aber unter wechselhaften Vorzeichen zwischen Euphorie und Massenentlassungen. Beim Sportartikelhersteller On hatte man zu der Zeit, in der ich dort tätig war, von Beginn an hohe Erwartungen an ein generelles Wachstum. Der Fahrplan war klar. Wir waren damals ca. 50 Personen, also noch sehr am Anfang in einem Open-Space-Büro mit einem grossen Küchentisch. Meine Rolle im HR wurde durch die Unternehmensstrategie definiert. Ich musste mit den Massnahmen im HR sicherstellen, dass diese Strategie bestmöglich unterstützt wurde. Abgeleitet davon definierte ich drei Hauptaspekte: Kultur, Organisation und Prozesse.
Wie hat sich die Kultur im Laufe der Entwicklung, die Sie begleitet haben, verändert?
On hatte damals eine sehr ausgeprägte Kultur, die stark von sportlichem Gedankengut und Gemeinschaftsgefühl geprägt war. Man hat die Strategie in emotionalen Bildern ausgedrückt. Davon fühlten sich vor allem junge Leute angesprochen.
Als ich damals meine Stelle bei On angetreten habe, befand sich das Unternehmen in der Transformation aus der Start-up-Phase in eine neue Stufe. Die Mitarbeitenden der ersten Stunde waren alle noch dabei und haben ein starkes Wir-Gefühl vermittelt. On hatte in der kurzen Zeit einen starken Employer-Brand entwickelt, der viele Initiativbewerbungen auslöste. Ich musste Positionen nie lange ausschreiben. Dies zeigt, wie wichtig ein starker Employer-Brand sein kann. Das Wachstum legte rasant zu, und es wurden viele neue Mitarbeitende rekrutiert.
Gemeinsam mit dem Unternehmen galt es auch die Kultur zu transformieren in ein Szenario, in dem man kein Start-up mehr ist und die Legenden aus der Gründungsphase, die man sich noch im Team erzählte, nicht mehr dieselbe Wirkung entfalten konnten. Natürlich wollten wir die Gründerlegende nicht verlieren, aber die neuen Mitarbeitenden sollten nicht ausgegrenzt, sondern mit offenen Armen empfangen werden. Dieser Punkt ist sehr wichtig: neuen Mitarbeitenden zu vermitteln, dass auch sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens leisten.
Mit welchen Massnahmen haben Sie dies unterstützt?
Wir haben mit verschiedenen Mitteln versucht, das Kennenlernen und den persönlichen Austausch zwischen den Mitarbeitenden zu fördern. Dazu haben wir ein paar Gamification-Elemente wie beispielsweise Mystery-Lunches eingesetzt, auch häufigere Platzwechsel im Büro waren hilfreich.
Die Identifikation mit dem Unternehmen beginnt allerdings mit einem guten Onboarding. Das hybride Arbeiten war damals vor Corona noch nicht so verbreitet. Im Rückblick kann ich sagen, dass die Präsenz gerade für das Onboarding sehr wichtig war, um Menschen für das Unternehmen zu begeistern, Vertrauen zu schaffen und Identifikation herzustellen. Kontakt und Kommunikation sind für die Erfahrung einer Kultur entscheidend.
Als Sportler habe ich früh gelernt, dass Erfolg ein Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken ist. Nur Mini-Mes um sich zu scharen, bringt einen nicht weiter. Ausschliesslich mit Stürmern gewinnt man kein Eishockeyspiel. Die passende Mischung macht den Unterschied. Das nützte mir auch in der Rekrutierung. Es braucht verschiedene Menschen, die unterschiedlich denken, unterschiedlich handeln und auch mal den Status quo hinterfragen. Damit konnten wir im On-Mindset sehr gut umgehen.
Wachstum als HR-Projekt