Kommunikation statt Absage
«Es dreht sich hier viel um Kommunikation», sagt Ines Hartmann mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Dass Unternehmen wie UBS oder Novartis ihre D&I-Ziele nicht mehr explizit veröffentlichten, bedeute nicht zwingend, dass sie sich vom Thema abwendeten. Vielmehr sei denkbar, dass diese weiterhin verfolgt und intern gemessen würden – nur eben weniger sichtbar. «Vielleicht wird nicht mehr kommuniziert, während man aber die Ziele weiterhin verfolgt und Massnahmen nach wie vor umsetzt.»
US-Dynamik – und was sie fĂĽr ÂEuropa bedeutet
Der mediale Druck und der politische Gegenwind, der in den USA gegen Diversity-Programme entstanden ist, strahlen auch auf global tätige Unternehmen aus. Für Hartmann ist es nachvollziehbar, dass sich Firmen mit starkem US-Marktanteil vorsichtiger positionieren. Trotzdem erwartet sie keine komplette Abkehr von D&I, sondern eher eine Verschiebung in der Tonalität. Unternehmen ohne US-Geschäft könnten sogar profitieren: «Vielleicht werden für bestimmte Mitarbeitende europäische Firmen sogar attraktiver als amerikanische, und es ergeben sich so Vorteile für das Employer Branding.»
Jenseits der Quote: Fokus auf Prozesse
Die Gleichstellungsexpertin fand die Diskussionen über Quoten immer schwierig. «Eine Quote ist ein Ergebnis vieler vorgelagerter Prozesse», erklärt sie. Rekrutierung, Entwicklung, Beförderung – erst wenn diese Prozesse chancengleich gestaltet sind, ergeben sich auch diversere Führungsebenen. Anstatt den Fokus nur auf die Rekrutierung einer bestimmten Anzahl von Frauen zu legen, könne ein Unternehmen zum Beispiel festlegen, dass bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen bevorzugt würden. «Ohnehin wird kein Unternehmen eine Frau einstellen, die für einen Job nicht ausreichend qualifiziert ist, das wäre wirtschaftlich schlicht nicht sinnvoll.»
Zwischen Rückzug und Relevanz: Diversity und Inclusion neu denken