Seco begrüsst Initiative des SAV
Boris Züricher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), betonte in seiner Grussbotschaft anlässlich der Lancierung, dass die Zielsetzung von focus50plus eng mit den Bestrebungen der Direktion für Arbeit verknüpft sei. Bereits in den vergangenen Jahren habe das Seco seine Bestrebungen verstärkt, um die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmende und Arbeitsuchende im Alter über 50 Jahren zu verbessern. Er gibt aber zu, dass der Staat in gewissen Bereichen nur marginalen Einfluss habe. Es liege an den Unternehmen, Fachkräfte zu rekrutieren und zu halten. Initiativen wie jene des SAV nannte Zürcher daher äusserst begrüssenswert. Schliesslich betonte er, dass die Anforderungen an die Arbeitnehmenden ebenso gestiegen seien wie jene an den Arbeitsplatz und die Unternehmen.
Digitalisierung lässt zwar gewisse Tätigkeiten verschwinden – Fachkräftemangel aber bleibt
«Gibt es noch Arbeit und für wen?» Eine Frage, die die Gesellschaft bereits seit Jahren beschäftig, nahm Prof. Dr. Gudela Grote von der EHT Zürich auf. Seit geraumer Zeit sei befürchtet worden, dass innert weniger Jahre aufgrund der Digitalisierung 50% der Arbeitsstellen wegfallen. Dies habe sich nicht bewahrheitet, sagte Grote. Sie gab zu, dass gewisse Tätigkeiten wegfallen, aber z.B. bei der SBB sei dieser Wegfall von Stellen durch den Generationenwechsel überkompensiert worden – es gingen mehr Mitarbeitende in Pension als nachkamen. Der Fachkräftemangel bleibe.
Grote ergänzte, dass es ältere und weniger qualifizierte Personen zunehmend schwerer haben werden auf dem Arbeitsmarkt. Eine tertiäre Ausbildung helfe, eine Stelle zu finden und diese zu behalten; wer keine formale Bildung hat, habe es zunehmend schwer.
Nach neuem Gold schürfen
Einen Blick in die Praxis rund um das Generationenmanagement gewährte Michael Zaugg, Personalleiter bei Ypsomed. Es gebe viele Klischees über ältere Arbeitnehmende. Sie seien teuer, risikoscheu oder unflexibel, um nur einige zu nennen. Die meisten träfen aber nicht zu, meint Zaugg. Statt in Klischees verhaftet zu bleiben, gelte es kreativ zu sein, hinter die Kulissen zu schauen und nicht offensichtliche Potenziale zu erkennen. Die Altersforschung zeige, das nicht geschürftes Gold bei älteren Mitarbeitenden vorhanden ist. Viele Studien widerlegten auch die Annahme, dass die Leistungsfähigkeit im Alter nachlasse. Allfällige Defizite der älteren Arbeitnehmenden würden diese durch Training, Erfahrung und breite Wissensbasis sowie hohe Motivation, Arbeitsmoral, Arbeitsdisziplin und Qualitätsbewusstsein kompensieren.
Zaugg betonte, dass es auf dem Arbeitsmarkt dieses Gold zu schürfen gelte, in dem vorhandene Potenziale bei älteren Personen genutzt werden. Selbstvertrauen, Fähigkeit zur Reflexion und Lernen aus Erfahrung, emotionales Gleichgewicht und besserer Umgang mit schwierigen Situationen zeichne sie aus. Es wäre schade, wenn Unternehmen dieses Potenzial nicht mehr nutzen könnten. Um dies zu verhindern, betreibe Ypsomed seit Jahren ein Talentmanagement unter dem Titel «Ypsomed People Process». Zudem unterstütze das Unternehmen auch Bogenkarrieren und eine flexible Pensionierung. Das Vorsorgereglement ermögliche eine Pensionierung zwischen 60 und 70 sowie eine Teilpensionierung, in der der Beschäftigungsgrad in drei Schritten reduziert werden könne.
Fachkräftemangel begegnen durch Nutzung des Potenzials älterer Arbeitnehmender