Herausforderung berufliche Vorsorge
Im Rahmen des Projekts wurde auch das Thema BVG bei Flexworkern untersucht. Eine repräsentative Umfrage mit rund 200 Flexworkern aus den Projektunternehmen ergab, dass ein Grossteil der Flexworker über keine oder eine ungenügende Absicherung in der 2. Säule verfügt. Die Gründe, warum keine oder eine ungenügende Vorsorgelösung vorhanden ist, sind vielfältig.
Ein Grund liegt sicher in den gesetzlichen Grundlagen der beruflichen Vorsorge. Diese wurden vor rund 40 Jahren gelegt, als das BVG 1985 in Kraft gesetzt wurde. Die Grundlagen der Gesetzgebung beruhen weitgehend auf den Vorstellungen der Arbeits- und Familienmodelle der Siebzigerjahre, so ist das BVG beispielsweise auf ein Arbeitspensum von 100% ausgerichtet. In den letzten Jahrzehnten hat sich vieles verändert und individuelle Erwerbsbiografien nehmen stetig zu. Immer mehr Firmen beschäftigen Flexworker. Das BVG hat mit diesen Entwicklungen nur bedingt Schritt gehalten. Die Eintrittsschwelle, der Mindest- und Maximallohn sowie der Koordinationsabzug beruhen grundsätzlich noch immer auf einer Vollzeittätigkeit und einer unterbruchlosen Erwerbskarriere. Dies kann bei vielen Personen zu grossen Lücken führen, sofern die berufliche Vorsorgelösung nicht an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst wird.
Ein weiterer Grund ist auch das nur zum Teil vorhandene Know-how oder Interesse an der beruflichen Vorsorge seitens der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. Das BVG scheint ihnen zu komplex und wenig fassbar. Die Versicherten sind sich der Bedeutung der 2. Säule nicht bewusst, obwohl der grösste Teil ihres Vermögens in ihrer beruflichen Vorsorge liegt.
Um die bestehende firmeneigene Vorsorgelösung und ihre Kompatibilität für Flexworker einfach zu analysieren, hat die Sammelstiftung Vita im Rahmen des Innosuisse-Projekts in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern ein BVG-Rating-Modell entwickelt. Ziel ist es, den Entscheidungsträgern in den Unternehmen ein einfaches Instrument an die Hand zu geben, damit sie ihre Vorsorgelösung bewerten können. Das Bewertungs-Tool zeigt detailliert auf, in welchen Dimensionen Handlungsbedarf besteht.
So können auch Fachpersonen, die nicht jeden Tag mit der beruflichen Vorsorge zu tun haben, auf einfache Art und Weise an die Thematik «Vorsorge» herangeführt werden, sodass sie schliesslich Optimierungen der eigenen Vorsorgelösung einfach umsetzen können. Das Bewertungs-Tool bewertet unter anderem folgende Dimensionen und liefert konkrete Handlungsempfehlungen:
1. Kreis der versicherten Personen: Welche Mitarbeitenden werden durch die Vorsorgelösung (u.a. Flexworker) überhaupt abgesichert?
2. Wie ist das Leistungskonzept ausgestaltet? Abgefragt werden unter anderem folgende Aspekte:
a. Höhe versicherter Lohn;
b. Ausgestaltung Spar- und Risikoteil: Diverse Aspekte und Ausprägungen;
c. Absicherung der Hinterbliebenen;
d. Optionen für Bezug der Altersleistung;
e. Möglichkeiten, mehrere Arbeitsverhältnisse zu versichern.
Dass sich Arbeitgebende mit einer adäquaten Vorsorgelösung für alle Mitarbeitenden entsprechend positiv positionieren können, ist im Hinblick auf die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung nur ein positiver Nebeneffekt. Der wichtigste Effekt ist jedoch, dass alle Arbeitnehmenden und ihre Hinterbliebenen adäquat abgesichert sind.
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Herausforderungen im Management von Flexible Workforce