Die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV), die für die Vergabe von Normen zuständig ist, unterstützt die nationale Anpassung der DIN-Norm, wie dies Österreich vormachte: So soll sich die Schweizer Norm am Puls der Zeit orientieren. Und zwar so, dass sich darauf basierend eine Berufszertifizierung zur Eignungsdiagnostikerin oder zum Eignungsdiagnostiker entwickeln lässt, was bisher ungeschützte Berufsbezeichnungen sind. Laut Sébastien Simonet soll sich die Zertifizierung im Sinne eines Weiterbildungsausweises nicht nur an Fachkräfte aus der Arbeitspsychologie richten, sondern explizit auch an HR-Fachleute. Diese könnten sich je nach Vorwissen selbständig oder im Rahmen eines rund halbjährigen Lehrgangs ein eignungsdiagnostisches Grundwissen aneignen und sich damit auch nachhaltiger auf dem HR-Arbeitsmarkt positionieren.
Verantwortung für künstliche Intelligenz
«Infolge der digitalen Transformation riskieren gewisse HR-Berater, ihre Jobs zu verlieren», warnt Simonet. Gerade künstliche Intelligenz beinhalte in der Eignungsdiagnostik aussichtsreiche Möglichkeiten, berge aber auch Gefahren. Etwa solche der Diskriminierung, wenn gängige Vorurteile aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Alter oder Lebensform einprogrammiert würden. Dies gelte es in der Norm zu berücksichtigen. «Aus meiner Sicht sollten wir darauf bestehen, dass alle Eignungsbeurteilungen ausschliesslich von Menschen verantwortet werden müssen und die Fachleute die zugrundeliegenden Algorithmen und Daten zumindest im Grundsatz verstehen.» Konkret ist für die Berufszertifizierung ein zweiteiliges Prüfungsverfahren in Planung mit einem theoretischen und einem praktischen Teil, die aus Multiple-Choice-Fachfragen und einer Fallbesprechung bestehen. Die Gebühren für die periodische Zertifizierung würden nach seiner Vorstellung unter 1000 Franken liegen. Erste Hochschulen aus der Deutsch- und Westschweiz hätten bei der FSP bereits ihr Interesse angemeldet, um bei der Entwicklung wissenschaftlich fundierter Tests mitzuwirken sowie als spätere Prüfungsstelle zu agieren. In der Arbeitsgruppe als SNV-Mitglieder offiziell mit an Bord sind aktuell die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.
Neue Schweizer Norm soll HR professionalisieren