Welchen Lernerfolg versprechen Simulationen von Gewaltsituationen?
Ein Schwerpunkt unserer Seminare liegt auf realitätsnahen Situationstrainings. Es ist uns wichtig, dass die Teilnehmenden nachhaltige Lernerfahrungen durch das Erleben von verschiedensten Situationen gewinnen. Dabei kommt es vielfach vor, dass sie ihre Komfortzone verlassen müssen. Selbst wenn der Kopf weiss, dass es sich nur um eine Simulation handelt, reagiert der Körper darauf, indem er Adrenalin ausschüttet. Der Puls steigt, die Teilnehmenden fangen an zu schwitzen und vielleicht sogar zu zittern, was zeigt, dass sie emotional und physisch in die Situation eingebunden sind. Wir planen ausreichend Zeit ein, um diese praktischen Trainings umfassend durchführen zu können und die Teilnehmenden professionell zu betreuen und zu begleiten. Deshalb empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden immer, Tagesseminare durchzuführen, da Halbtagesseminare aus unserer Sicht zu wenig Training beinhalten.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden?
Jedes Unternehmen hat eigene Bedürfnisse und eine eigene Sicherheitskultur, auf die wir die Schulungen zuschneiden. Ein nachhaltiger Trainingseff ekt ist der Kern jeglicher Präventionsschulung. Wir als Trainer und das Unternehmen müssen dieselben Vorstellungen von der Sicherheit der Mitarbeitenden teilen, damit es zu einer Zusammenarbeit kommen kann. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass diese nicht realisiert werden kann, wenn ein Kunde etwa zu viele Kompromisse fordert, die den Effekt der Nachhaltigkeit gefährden.
Wann stellen Sie eine Zusammenarbeit infrage?
Ein typisches Beispiel ist, wenn ein Unternehmen eine Gewaltpräventionsschulung anfragt, weil es bereits zu Vorfällen gekommen ist und das Unternehmen seiner Fürsorgepflicht nachkommen möchte. Gewisse Unternehmen äussern den Wunsch, den Aufwand zu minimieren und auf die Situationstrainings zu verzichten. In solchen Fällen wird es schwierig, da eine Gewaltpräventionsschulung ohne praktische Situationstrainings wenig Nutzen bringt. Nachhaltige Prävention erfordert, dass die Mitarbeitenden nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch auf schwierige oder gefährliche Situationen vorbereitet werden. Ohne diese realitätsnahen Übungen bleibt der Trainingseffekt oberflächlich, und die Schulung verfehlt ihren eigentlichen Zweck.
Wie schätzen Sie die Nachhaltigkeit von Gewaltpräventionsschulungen ein?
Es ist schwierig, eine allgemeingültige Aussage zur Nachhaltigkeit solcher Schulungen zu treffen, da diese stark vom jeweiligen Dienstleistungssektor abhängt. Es gibt Einrichtungen, wo Mitarbeitende täglich mit Gewaltsituationen konfrontiert sind. Dadurch werden die Schulungsinhalte regelmässig angewendet und gefestigt. In Unternehmen, in denen solche Vorfälle seltener auftreten, können die Effekte der Schulung hingegen schneller verblassen. Die Nachhaltigkeit hängt entscheidend davon ab, wie die Sicherheitskultur im Unternehmen von den Führungskräften vorgelebt wird. Eine eintägige Schulung kann eine nachhaltige Wirkung von bis zu drei Jahren haben, vorausgesetzt, die Sicherheitskultur im Unternehmen wird aktiv gepflegt.
Können Sie das an einem konkreten Beispiel illustrieren?
Ein praktisches Beispiel ist, Sicherheit und Gewaltprävention in Teamsitzungen zu einem festen Thema zu machen und regelmässig Erfahrungen und mögliche Lösungsstrategien auszutauschen. Auch das sogenannte «mentale Judo» trägt zur Nachhaltigkeit bei. Dabei stellen sich die Mitarbeitenden gedanklich bestimmte Situationen vor, um sich auf mögliche Reaktionen vorzubereiten: Was tue ich, wenn jemand wutentbrannt in mein Büro stürmt? Wie reagiere ich, wenn mich jemand in einer Besprechung beleidigt? Spätestens nach drei Jahren sind Auffrischungskurse sinnvoll, in denen bestimmte Themen erneut behandelt und Situationstrainings wiederholt werden. So bleibt die Gewaltprävention lebendig und wirksam. Eine effektive Sicherheitskultur basiert dabei immer auf einem durchdachten Sicherheitskonzept, das klar definiert, wie Mitarbeitende in konkreten Bedrohungssituationen reagieren können und an wen sie sich wenden können, um Unterstützung zu erhalten.
Stark gegen Gewalt