Sind Führungskräfte bereit, an ihren Einstellungen zu arbeiten?
Diverse Forschungen zeigen, dass Führungskräfte oft eine optimistischere Sicht auf die Teamwirksamkeit haben als ihre Teammitglieder. Daher ist es entscheidend, Feedback von allen Mitgliedern zu berücksichtigen, um blinde Flecken zu vermeiden und ein umfassenderes Bild der Teamdynamik zu erhalten. Dies kann Führungskräften helfen, die richtigen Prioritäten für eine nachhaltige Teamgesundheit zu setzen. Der zweite wichtige Punkt ist die Freiwilligkeit für die Teammitglieder. Es gibt mitunter auch Workshops, die verordnet werden. Das finde ich immer sehr schwierig. Mittlerweile nehmen wir solche Aufträge nur noch bedingt an. Wenn Leute die Einstellung haben, dass sie selbst sowieso kein Problem haben und sich in dem Gremium nicht öffnen wollen – wie soll dann ein Workshop funktionieren? Interessant ist dabei auch die Erkenntnis, dass unterschiedliche Teamstrukturen unterschiedliche Arten von Verbindlichkeit und Engagement benötigen. Es gibt Teamtypen, die klare, formale Strukturen brauchen, während andere von lockererer Zusammenarbeit profitieren. Dies kann helfen, den richtigen Rahmen für Team-Building-Massnahmen zu setzen. Die dritte Rahmenbedingung: das Vertrauen im Workshop. Wenn Teammitglieder darauf vertrauen können, dass sie gehört, respektiert und nicht verurteilt werden, fällt es ihnen leichter, Herausforderungen oder Konflikte anzusprechen und sich wirklich darauf einzulassen.
Gibt es Situationen, in denen ein verordneter Workshop dennoch sinnvoll ist?
Es gibt auch Teams, in denen es wirklich brennt und in denen akuter Handlungsdruck besteht. In solchen Situationen rate ich durchaus auch zu Pflichtevents. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Team deutliche Belastungserscheinungen zeigt, vielleicht schon Leute erkrankt sind – dabei muss es sich nicht immer um Burn-out handeln – und man sieht, dass die gesamte Energie nachlässt. Ein solcher Pflichtevent hat dann aber auch einen anderen Charakter. Es bietet sich zum Beispiel an, erst einmal die Wahrnehmungen und gegebenenfalls Befragungsergebnisse und einige betriebswirtschaftliche Fakten zu präsentieren. Das verdeutlicht den Teilnehmenden die Gesamtsituation. Im Prinzip lädt man die Teammitglieder damit ein, an der Problemlösung mitzuwirken.
Wenn diese Vertrauensebene brüchig ist, welches Vorgehen empfehlen Sie dann?
In so einem Fall nutzen wir vor dem Team-Building-Event die regulären Gefässe, die es in den Unternehmen gibt. Also die klassischen Team-Meetings oder virtuellen Coffee-Breaks, um das Thema Vertrauen stärker zu erfassen. Mit diesem Vorgehen können wir die Menschen häufig ins Boot holen. Der Event wird dadurch zwar etwas verzögert, aber wenn dann alle wirklich dabei sind und sich zumindest darauf einlassen, ist dies einfach die beste Voraussetzung.
Welche alternativen Instrumente der Teamentwicklung im Alltag empfehlen Sie?
Ich war selbst lange genug als Führungskraft unterwegs und hatte nur wenig Budget, also musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Das ist keine ungewöhnliche Situation. Ich finde Reflexionsrunden sehr wirkungsvoll. Wenn man diese gut strukturiert, bringen sie auch viel, und das Team engagiert sich entsprechend. Auch Check-in-Runden zu Beginn der Team-Meetings sind gute Möglichkeiten, auf Themen aufmerksam zu werden. Es gibt heute diverse Tools, mit denen Themen gezielt angestossen werden können. Ich bin auch ein Fan davon, so etwas wie ein Jahresmotto zu wählen. Dieses dient wie ein roter Faden im Gedächtnis, um die Themen im Alltag immer wieder zu reflektieren. Denn langfristige Veränderungen entstehen oft nur durch regelmässiges Reflektieren und Verstärken neuer Verhaltensmuster.
Team-Building – mehr als ein Event