In den Lohnverhandlungen 2025 konnte der Kaufmännische Verband Schweiz (KV) laut Mitteilung einen wichtigen Teilerfolg erzielen: Der Teuerungsausgleich wurde mehrheitlich gewährt und helfe, die direkten Auswirkungen der Inflation zu mildern. Doch damit allein sei die Kaufkraft der Arbeitnehmenden nicht gestärkt. «Der Nachholbedarf von über 3% bleibt in vielen Fällen weiterhin bestehen. Das führte dazu, dass in einzelnen Verhandlungen keine Einigung abgeschlossen werden konnte», erklärt Michel Lang, Leiter Sozialpartnerschaft beim KV.
Steigende Lebenshaltungskosten verschärfen die Lage
Trotz der erreichten Fortschritte bleibe die finanzielle Belastung für viele Erwerbstätige hoch. Menschen im Tieflohnsektor seien überproportional stark betroffen: «Angesichts steigender Lebenshaltungskosten fehlt der finanzielle Spielraum, um auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, wie beispielsweise, wenn eine neue Wohnung gesucht werden muss», sagt Lang. Die teils beschlossenen Erhöhungen der Mindestlöhne im Detailhandel seien ein wichtiger Schritt. Ein Nachziehen in Richtung Überwindung der Tieflohngrenze, insbesondere durch die grossen Player, wäre ein noch stärkeres Zeichen, so Lang.
Nachhaltige Lohnpolitik statt teurer Fluktuation
Mitarbeitende, die einem GAV unterstellt sind, konnten laut KV 2024 im Schnitt von einer Lohnerhöhung von 2.1% profitieren, wie die Daten des Bundesamts für Statistik zeigten. Davon entfielen 1.7% auf generelle Erhöhungen und 0.4% auf individuelle Anpassungen. Hingegen zeigten Befragungen, dass in fast der Hälfte der Schweizer Unternehmen keine Lohngespräche stattfinden. «Ohne Lohngespräch findet oft auch keine Lohnentwicklung statt», sagt Lang. «Oft bleibt da den Mitarbeitenden nur die Option, die Stelle zu wechseln.» Für die Unternehmen sei das ein Verlustgeschäft, denn die Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeitenden kommt teurer als eine nachhaltige Lohnpolitik, die einen Teuerungsausgleich und eine Reallohnerhöhung vorsieht.