Weibliche Belegschaft der Stadt Zürich beklagt Sexismus

Donnerstag, 03. April 2025
Eine repräsentative Umfrage unter den Stadtzürcher Arbeitnehmerinnen zeigt, dass eine Mehrheit einen Menstruationsdispens begrüsst. Zwei Drittel leiden unter starken Schmerzen und jede siebte Mitarbeiterin hat schon negative Reaktionen wegen ihrer Menstruationsbeschwerden erlebt.

Das Human Resources Management der Stadt Zürich hat letztes Jahr eine gross angelegte Befragung zu Menstruations­beschwerden am Arbeitsplatz durchgeführt. Nebst den Resultaten zum Menstruationsurlaub zeigt der jüngst veröffentlichte Bericht laut «Tages Anzeiger» auch, wie sexistisch das Arbeitsklima in der Zürcher Stadtverwaltung sei.

Von den 20000 angeschriebenen Mitarbeiterinnen hat rund die Hälfte der weiblichen Belegschaft an der Befragung teilgenommen. 63% der Befragten leiden unter starken Schmerzen. Vor allem jüngere Frauen seien überdurchschnittlich stark betroffen. Dennoch würden 61% der Befragten vorhandene Möglichkeiten wie Krankmeldung oder Homeoffice nicht nutzen.

Sexistische Sprüche und Bemerkungen

Als Grund für Abwesenheiten würden stattdessen andere Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Migräne vorgeschoben. Eine Mehrheit der rund 10000 Mitarbeiterinnen, die sich an der Umfrage beteiligten, wünscht sich einen offenen Umgang mit dem Thema am Arbeitsplatz. Konkret erklärten 2789 Mitarbeiterinnen, dass sie einen Menstruationsdispens begrüssen und nutzen würden, 1824 waren unsicher und 706 lehnten einen entsprechenden Dispens ab. Dabei zeigte sich, dass ältere Angestellte eher dagegen waren.

Jede Siebte – etwa 15% – berichtete von negativen Erlebnissen in Zusammenhang mit ihrer Menstruation. Die negativen Reaktionen gingen demnach am häufigsten von Arbeitskollegen und am zweithäufigsten von Vorgesetzten aus. Sexistische Sprüche und Bemerkungen in der Zürcher Stadtverwaltung kommen laut Bericht in vielen Fällen vor. Das verdeutlichen auch teils drastische Beispiele, die der Tages-Anzeiger aus dem 63-seitigen Dokument zitiert:

  • «Deiner Laune nach hast du deine Tage, nimm eine Tablette, dann geht das schon.»
  • «Ich rieche das immer, wenn eine Frau ihre Menstruation hat.»
  • «Ich habe mitgeteilt, dass ich wegen Menstruations­beschwerden nach Hause gehe, mein Vorgesetzter meinte dazu: ‹Nächstes Mal gerne weniger Details.›»

Stadt Zürich will handeln

Laut Bericht empfinden 41% das Klima am Arbeitsplatz als «nicht offen». 16% beurteilen ihre Vorgesetzten als «nicht unterstützend». Die Stadt Zürich zeigt sich laut «Tages-Anzeiger» von diesen Resultaten alarmiert und zitiert Claudia Nägeli, Sprecherin des zuständigen Finanzdepartements: «Das Thema wurde umgehend in die bestehenden Informations- und Sensibilisierungs­unterlagen aufgenommen.» Zudem würde sich ab April eine neue Arbeitsgruppe mit diesem Thema befassen und Massnahmen entwickeln, um Mitarbeitende mit starken Menstruations­beschwerden zu unterstützen. Konkret sollen die bestehenden Möglichkeiten Homeoffice, Krankmeldung und längere Pausen von allen Berufsgruppen besser genutzt werden. Ein Schwerpunkt liege dabei auf der Sensibilisierung der HR-Personen und Führungskräfte.

Menstruationsdispens

Hintergrund des Diskurses um einen Menstruationsdispens in der Stadtzürcher Verwaltung ist ein Parlamentsvorstoss für einen «Menstruationsurlaub». Das Postulat des Gemeinderats forderte eine Dispensation von einem bis fünf Tagen bei starken Schmerzen. Die Westschweizer Städte Yverdon und Freiburg stimmten einer Einführung eines dreitägigen «Menstruationsurlaubs» ihrer Verwaltungsangestellten anfangs 2024 zu.

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